Jugendfeuerwehr

Segeltour der Jugendfeuerwehr Netphen / Eschenbach,
auf dem Ijsselmeer 13.07. bis 17.07.2015

Montag den 13.07.15 – 1. Tag
Drei Jugendfeuerwehrfrauen und neun Jugendfeuerwehrmänner der Jugendfeuerwehr Netphen und Eschenbach, sowie eine Feuerwehrfrau und fünf Feuerwehrmänner dergleichen Wehren als Betreuer, treffen sich am Montagmorgen um 3:45 am Gerätehaus in Netphen. Eilig wird Gepäck und Personen auf die drei Feuerwehrfahrzeuge verteilt und dann geht es auch schon um kurz nach 4:00 in der Frühe los. Schnell noch den am Gerätehaus zurückgelassenen Eltern winken, nun Blick nach vorn, Holland wir kommen!

Um 10:00 kommen wir nach kurzweiliger Fahrt, mit zwei Pausen und Frühstück, in Lelystad am Markermeer an.

Da liegt sie am Kai die „Res Nova“ ein alter Segelfrachter von 1895, umgebaut für 18 Passagiere. 23,9 Meter lang, 5 Meter breit, 23 Meter hoch und 1,1 Meter Tiefgang. Zuladen dürfen wir 79 Tonnen, dass dürfte für uns und unsere Vorräte reichen.

An Bord warten schon auf uns der Skipper Maarten und der Maat Lucas.
Nach herzlicher Begrüßung und kurzer Einweisung, stechen wir um 11:00 in See. Mit dem Dieselmotor schippern wir gemütlich aus dem Hafen, aber bevor wir das offene Gewässer ereichen, müssen alle anpacken, um die 3 Segel zu hissen. Die Segel müssen gelöst, und mit Seilen und Winden gehisst werden. Als der Wind uns dann durch die Wellen peitscht, wird das Gehen und Stehen an Bord zusehend schwerer.
Türen der Kajüten knallen und Gepäck bewegt sich, da kommt die Anweisung des Skippers alle Türen zu schlissen oder geöffnet zu sichern, aber da ist es schon zu spät.
Einer unserer Kameraden hat sich den linken Daumen zwischen Tür und Rahmen eingeklemmt. Blut fliest in Strömen und der Nagel wird herrlich blau. Nach kurzer Zeit ist klar, Nothalt im nächsten Hafen, um die Qualität der holländischen Ärzte zu testen.
Wir sind dann durch die Schleuse ins Ijsselmeer gefahren, um dann um 14:00 in Enkhuizen anzulegen. Der Arzt ist, nach kurzem Gehweg, schnell gefunden. Gegenüber gibt es auch einen Supermarkt, so dass ein Teil der Gruppe die Vorräte auffüllt, und zwei Mann den Patienten zum Arzt begleiten können.
Alle Beteiligten sind mit der Qualität und der Geschwindigkeit der holländischen Ärzte zufrieden, so dass noch Zeit bleibt eine holländische Pommfrittbude aufzusuchen.
Um 16:00 legen wir mit einer zufriedenen und weitestgehend schmerzfreien Mannschaft ab.
Nach einer weiteren Schleuse und dem Queren einer Drehbrücke ereichen wir um 19:30 den Hafen von Den Oever und somit auch das Salzwasser des Wattenmeers. Im Hafen haben wir an einem ruhigen Plätzchen angelegt und für alle, auch Skipper und Maat, gabt es Spaghetti Bolognese.
Dienstag den 14.07.15 – 2. Tag auf „hoher See“.
Aufstehen um 7:15, wir müssen uns beeilen, denn wir legen um 8:00 ab. Unser Ziel ist die Insel Texel, auf dem kürzesten Wege liegt eine Sandbank die nur von 9:00 bis 11:00 zu passieren ist, danach sinkt der Meeresspiegel bis auf 30cm. Bei 1,10 Meter Tiefgang wäre das ein bisschen knapp. Also sputen wir uns und Frühstücken nach dem Segelhissen, während der Fahrt.
Wir müssen zeitraubend kreuzen, weil der Wind uns nicht direkt nach Texel führt.
Aber wir schaffen es, ohne Grundkontakt um 12:30 im Hafen Oudeschild (altes Schild) an zu kommen. Nach einem gekonnten Manöver unseres Skippers, haben wir in einer, nach unserer Meinung zu engen, Parklücke eingeparkt.
Bis 17:00 haben wir nun die Gelegenheit die Insel zu erkunden.
In anbetracht der kurzen Zeit, erledigen wir dies mit „geliehenen Fahrrädern“.
Wir überqueren die Insel von Ost nach West, um dort bei mäßigem Strandwetter den wunderschönen breiten Strand zu genießen. Unterwegs stärken wir uns noch mit regionalen Fischspezialitäten.
Gegen 17:00 finden wir uns alle wieder auf der Res Nova ein, denn die Leckereien der Hobbyköche locken. Es gibt reichlich Tortellini mit Käse- Sahnesauce.
Der Abend klingt auf Deck in gemütlicher Runde, bei einem schönen Sonnenuntergang aus.
Mittwoch den 15.07.15 – 3. Tag auf See.
Um 8:20 werden wir, ein bißchen spät, aus dem Schlaf gerissen.
Schnell alle Mann frühstücken, um 9:30 wollen wir mit Motorantrieb auslaufen.
Mit uns laufen noch drei Segelschiffe aus, mit dem gleichen Ziel, auf einer Sandbank bei Ebbe auf Grund zu laufen. Ein Convoy bildet sich und die Res Nova segelt an der Spitze. Nach einer Weile löst sich der Convoy auf, offensichtlich hat jeder Skipper eine andere Sandbank ausgesucht.
Auf der Fahrt können wir ein paar Kegelrobben beobachten, sie bleiben aber immer soweit vom Schiff entfernt, dass wir nur den dunklen Kopf in den Wellen sehen.
Leider bleibt das Wetter auch an diesem Tag unter den Erwartungen, Nieselregen statt Sonnenschein.
Endlich haben wir die Sandbank erreicht und um 11:15 sitzen wir auf Grund fest.
Nun müssen wir nur noch warten bis der Wasserspiegel so weit gesunken ist, dass wir von Bord gehen können. Diese Zeit wird schon mit Abendessen vorbereiten verbracht, Chili con Carne sollte auch etwas Zeit zum Durchziehen haben.
Gegen 13:50 ist es dann so weit, der Wasserspiegel steht nur noch 10cm über dem Nordseegrund, wir steigen aus.
Die meisten nutzen die Gelegenheit und ziehen Badehosen an, trotz der bescheidenen Temperaturen und des gelegentlichen Nieselregens.
Ab jetzt gibt es einiges zu entdecken, die freigelegte Fauna des Wattenmeeres und ein bisschen Flora, in Form von Seetang. Priele, in denen noch knietief das Wasser in Richtung Westen fließt. Und nicht zu vergessen der trocken gelegte Schiffsrumpf mit seinen Verkrustungen. Unser Schiff hat hinter sich einen Graben in das Watt gezogen und am Ende ist ein tiefes Loch unter der Schiffsschraube entstanden.
Nach kurzer Zeit haben die Jugendfeuerwehrleute den Vorteil eines Schlammbades entdeckt und versuchen immer mehr, durch Zuwerfen des Schlammes, zum Mitsuhlen zu überreden. Nicht lange, und fast alle haben sich mit einer vor Kälte schützenden Schlammschicht versehen. Aber damit nicht genug, nein, vereinzelte versuchen komplett in den Schlamm zu kriechen.
Das Treiben wird jäh beendet nachdem sich um 15:30 die Fließrichtung des Wassers im Priel in Richtung Osten geändert hat. Kurze Zeit später stehen wir auch um die Res Nova wieder im Wasser. Nun ist großes Reinemachen der Ferkelrotte angesagt.
Bald ist auch nichts mehr von dem Watt, um uns herum, zu sehen.
Kurz darauf schwimmt der Bug des Schiffes wieder, aber Achtern, wo die Last des Maschinenraums liegt, sitzen wir noch fest.
Der Skipper gibt den Befehl „Alle Mann zum Bug“, das geht aber nicht auf Deck, da das Focksegel im Wind von rechts nach links schwingt, also alle Mann unter Deck. So treffen sich 18 Personen in der engen Dusche und unser Gewicht hebt das Schiff Achtern an, jetzt kommt die Res Nova unter Vollgas wieder frei.

Um 17:45 nehmen wir wieder Fahrt auf, 1¾ Stunden später erreichen wir den schützenden Hafen von Den Oever, wo wir uns alle auf das leckere Chili freuen.
Donnerstag den 16.07.15 – 4. Tag auf See.
Die Nacht wird heute um 7:30 beendet, nach kurzer Auffrischung wird eine Delegation zum Einkaufen geschickt. Gegen 9:30 liegen dann frische Brötchen auf dem Frühstückstisch, die bedeutend besser sind als das holländische Brot, das ähnliche Eigenschaften besitzt wie ein Badeschwamm.
Um 10:30 legen wir ab, passieren die Drehbrücke und steuern in die Schleuse.
In dieser Schleuse liegen mit uns vier weitere alte Frachtschiffe, mit Passagieren und ein paar kleinere Jachten. Nach der Ausfahrt befinden wir uns wieder im Süßwasser des Ijsselmeeres.
Auf dem Ijsselmeer haben wir strahlenden Sonnenschein, aber leider Flaute, so dass wir gezwungen sind alle Segel zu setzen die die Res Nova hergibt.
Bei ruhiger Fahrt mit 2-3 Knoten geht ein Teil der Mannschaft auf Deck dösen, Maarten der Skipper geht in den Maschinenraum um eine Leckage zu suchen. Lucas, der Maat übernimmt das Kommando und einer von uns wird zum Steuermann ernannt.
Als unsere Geschwindigkeit nur noch 1,5 Knoten beträgt, werfen wir ein langes Tau mit einer Boje am Ende des Schiffes aus, das wir hinter uns herziehen.
Das Tau soll als Rettungsleine dienen, wenn jemand erschöpft ist.
Nun dürfen jeweils zwei Personen neben dem Schiff schwimmen gehen, mit strammen Schwimmbewegungen schaffen sie es neben der Res Nova zu schwimmen.
So segeln wir gemütlich über das Ijsselmeer, doch die Idylle wird empfindlich gestört, als Maarten Wasserpistolen verteilt.
Gegen 17:00 werden dann die Segel eingeholt und der Anker geworfen.
Wir haben nun Gelegenheit im grünlichen, sonnendurchfluteten Wasser des Ijsselmeeres zu schwimmen.
Anschließend kommen wir nach kurzer Motorfahrt um 19:30 im Hafen von Enkhuizen an. Dort machen wir die Res Nova an einem ruhigen Pier fest.
Nach dem das erledigt ist, bauen wir neben dem Schiff einen Grill auf, wo es bis zum Sonnenuntergang knackige Würstchen, saftige Steaks und leckeren holländischen Kartoffelsalat gibt.
Freitag den 17.08.15 – 5. Tag auf See
Langsam kriechen die Ersten gegen 7:30 aus den Kojen.
Früher als geplant legen wir um 8:45 ab, gefrühstückt wird eine 1/4 Stunde später, mal wieder auf offener See.
Während der Fahrt verschwindet der blaue Himmel und es ziehen dicke Wolken auf. Mit den Wolken kommt auch der Wind, er kommt genau aus Richtung Lelystad mit Windstärke 6 – 7. Der Motor hat Mühe uns gegen die hohen Wellen voranzutreiben. Die Res Nova knackst und knackt, und wir werden in alle Richtungen durchgeschaukelt. Der beste Ort, wo wir das heftige Geschaukel auszuhalten können, ist die Koje.
Um 12:00 hat die Res Nova es geschafft und wir auch, wir haben den sicheren Hafen von Lelystad ereicht.
Nun wird das ganze Gepäck auf Deck geschafft und mit einer Plane geschützt.
Unter Deck wird jetzt gemeinschaftlich Klarschiff gemacht, 18 Kärtchen, mit Aufgabenbereichen und erforderlichen Tätigkeiten werden verteilt.
So trägt jeder dazu bei, dass um 14:00 das Schiff wie aus dem Ei gepellt
am Kai liegt.
Wir haben jetzt noch 1 Stunde Zeit, bevor uns die drei Feuerwehrfahrzeuge aus Netphen abholen.
Diese Zeit nutzen wir um uns nochmals zu stärken.
Um 15:00 treffen dann die Fahrzeuge ein und werden umgehend beladen.
In Sichtweite zur Res Nova gibt es eine herzliche Verabschiedung von Maarten und Lucas, wir bedanken uns für ein schönes wie aufregendes Abenteuer mit den beiden auf ihrem schönen Schiff.
Gegen 20:00 treffen wir nach einer zügigen und sicheren Fahrt in Netphen am Gerätehaus ein, wo uns Eltern und Partner schon sehnsüchtig erwarten.

Danke an alle Beteiligten für die gute Planung, Durchführung und die tolle Zusammenarbeit der gesamten Mannschaft.

Es bleibt ein unvergessliches Abenteuer!
Eschenbach im August 2015
Rüdiger Exner